Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

„A Portrait of the Artist as a Young Mother“

14. März 2012

Foto: Katharina Bosse

Unter dem Titel „A Portrait of the Artist as a Young Mother“ hat die Künstlerin Katharina Bosse eine Fotoserie geschaffen, in der sie sich nicht nur selbst portraitiert, sondern zugleich das Spannungsverhältnis von Mutterschaft und künstlerischer Tätigkeit thematisiert.
Eine Auswahl der großformatigen Werke ist vom 20. April bis 27. Mai 2012 im Gewölbekeller des Konstanzer Kulturzentrums am Münster zu sehen.

Initiative und Konzept der Ausstellung entwickelten Studentinnen der Universität Konstanz im Rahmen eines Seminars der Literaturwissenschaftlerin Dr. Eva Blome zum Thema „Zeugung, Geburt und Elternschaft“. Unterstützung erhielt die studentische Projektgruppe vom Kulturbüro der Stadt Konstanz; gefördert wird die Veranstaltung vom Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“, vom Fachbereich Literaturwissenschaft und vom Gleichstellungsrat der Universität Konstanz.

„Also brachte ich, im Laufe von fünf Jahren, zwei Kinder und eine Bilderserie zur Welt.“ Mit diesen Worten verknüpft die international renommierte Künstlerin im Vorwort ihres Katalogs zur Werkreihe den kreativen Schaffensprozess mit dem der biologischen Reproduktion. In ihrer zwischen 2004 und 2009 entstandenen Fotoserie „A Portrait of the Artist as a Young Mother“ inszeniert sich die Künstlerin – oftmals nackt und immer in der freien Natur – während ihrer Schwangerschaften und mit ihren zwei Kindern in deren ersten Lebensjahren. Mit den ästhetischen Mitteln der Fotografie reflektiert Bosse auf der Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen das Bild der Mutter als kulturelle Projektionsfigur, die zum Bild der Künstlerin in einer spannungsgeladenen Beziehung steht. Auf künstlerisch innovative Weise verbindet die Werkreihe zwei kulturelle Sphären, die nicht zuletzt aufgrund der männlichen Codierung der Figur des Künstlers, in Kunst und Kultur zumeist getrennt voneinander, ja gar im Widerspruch zueinander stehen. Und genau deshalb wirken Bosses Selbstinszenierungen als Mutter und Künstlerin so irritierend und herausfordernd.

Die Fotografien regen aber nicht nur zur Diskussion von gesellschaftlichen Normierungspraktiken und Rollenerwartungen an, sie hinterfragen zudem deren kulturgeschichtliche Genese. So erinnern die Selbstportraits vor einer stark stilisierten und exakt durchkomponierten Naturkulisse sowohl an die christliche Ikonografie als auch an Motive aus dem Bereich der Akt und Landschaftsmalerei; zitiert werden etwa Mariendarstellungen oder auch die Szene der römischen Wolfsmutter, die Romulus und Remus säugt. Die – durch die christlich-abendländische Kulturgeschichte inspirierte, aber auch an die Modefotografie angelegte – Bildsprache ruft solche Vorstellungen von Mutterschaft jedoch nicht nur auf: Vielmehr werden diese stets an der Frage nach den Ein- und Ausschlüssen des Weiblichen in der Kunst gebrochen.

Katharina Bosse wurde 1968 in Turku, Finnland, geboren und wuchs in Kirchzarten, Deutschland, auf. 1994 graduierte sie in Foto-Design an der Fachhochschule Bielefeld. Unter anderem erhielt sie im Jahre 1997 den Agfa International Award for Photojournalism. Ihre Arbeiten befinden sich u.a. in den Sammlungen des MoMa, New York und des Centre Pompidou, Paris. Zusätzlich zu ihren künstlerischen Werken erschien ihre redaktionelle Arbeit in Magazinen wie Spin, Park Avenue, Wired, Der Spiegel und dem New York Times Magazine. Nachdem sie sechs Jahre in New York gearbeitet hat, lebt Katharina Bosse inzwischen in Bielefeld, wo sie an der Fachhochschule Fotografie unterrichtet.

Hinweis an die Redaktionen

Bereits am Donnerstag den 19. April 2012 um 18 Uhr findet ein öffentliches Werkstattgespräch im Senatsaal (V 1001) der Universität Konstanz statt, in dem Katharina Bosse in ihre Fotoserie einführt. Die Ausstellung wird am Freitag, 20. April 2012, um 19.30 Uhr im Gewölbekeller des Kulturzentrums am Münster in der Wessenbergstraße 39 in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet. Die Fotografien sind dort bis 27. Mai 2012 zu sehen.

Kontakt

Sigrid Elmer
Universität Konstanz
Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“
Koordinatorin für Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-4741
E-Mail: Sigrid.Elmer[at]uni-konstanz.de

Dr. Eva Blome
Universität Konstanz
Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“
Fachbereich Literaturwissenschaft
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-5184
E-Mail: Eva.Blome[at]uni-konstanz.de
www.exc16.de/cms/blome.html

 


Kontakt

Sigrid Elmer (Elternzeitvertretung für Claudia Marion Voigtmann)
Tel. 07531 88-4741
E-Mail sigrid.elmer[at]uni-konstanz.de